Mango-Zeit

Mango-Zeit: Auch im Garten beim Climate Action Network Tansania (CAN TZ) reifen die Mangos

Mango-Zeit = Regenzeit ?

Mangos (In Kiswahili: maembe) – Überall in der Stadt reifen gerade die Mangos. Moses, den ich auf den Kivukoni Fischmarkt kennengelernt habe, zeigt mir die Früchte. Die Mango-Bäume beginnen in Ostafrika im August zu blühen und vom November bis Januar gibt es dann reife Mangos aus Tansania. Eigentlich beginnt mit der Mango-Zeit auch die Zeit der kurzen Regen (In Kiswahili: Vuli) , das heißt ein bis zweimal in der Woche kürzere Regen (2-3 h).

Doch der Regen lässt auf sich warten. Mein Host Willam, bei dem ich mit auf dem Grundstück wohne, bewässert jeden Tag die Tomaten aus einen großen Wassertank, der vor dem Haus steht. Die brauchen jetzt besonders viel Wasser und gerade jetzt regnet es nicht. Früher war auf den Regen verlass. Jetzt schwankt der Beginn und das Ende der Regenzeiten und auch viel Niederschlag es gibt. Immer häufiger gibt es extrem wenig und dann wieder extrem viel Regen- Jahre mit Dürreperioden und Jahre mit stark Regenereignissen häufen sich. Folgt auf sehr trockene Jahre ein Jahr mit stark Regen kann der ausgetrocknete Boden die Wassermassen kaum aufnehmen und wir leicht wegschwemmt. Dadurch geht wichtiger fruchtbarer Boden verloren. Willam zeigt mir wie er seinen Garten so angelegt hat, dass Bäume Schatten spenden und das Austrocknen des Bodens verhindern und auch mit ihren Wurzeln verhindern, dass die Erde leicht weggeschwemmt wird. William kennt noch mehr Tricks mit den sein Garten widerstandsfähiger gegen die sich ändernden Wetterbedingungen wird. Er hat jahrelang für die Kirchen in Tansania als Projektmanager Projekte konzipiert die den schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien aber auch die Anpassung von Kleinbauern an die Klimakrise fördern. Jetzt ist er im Ruhestand aber immer noch eng verbunden mit dem Climate Action Network Tansania(CAN TZ) , dass durch sein Arbeit und durch Unterstützung der Kirchen mitaufgebaut wurde.

Für Bauern ist es wichtig zu wissen, wann und wie viel es regnet, erzählt mir Mkombozi, der Chef der Innovation & Research-Abteilung beim CAN TZ. Dadurch können sie planen, ob sie es riskieren etwas anzupflanzen, dass viel Wasser braucht aber sie dafür teuer verkaufen lässt oder auch, wann sie aussähen.Ein wichtiger Faktor zur Anpassung sind daher möglichst verlässliche und präzise Wettervorhersagen (Climate Services). So hat die Tansanische Meteorologie Behörde (TMA) in ihrer saisonalen Wettervorhersage für die Region um Dar-Es-Salaam schon ein spät einsetzende Regenzeit mit wenig Regen vorhergesagt.

Rains are expected to be below normal to normal over most areas of the northern coast. The rains are expected to start between the third and fourth weeks of October, 2021. However, the onset is likely to be affected by high frequency dry spells.-„

TMA- CLIMATE OUTLOOK FOR OCTOBER – DECEMBER, 2021 (VULI) RAINY SEASON
Screenshot aus dem CLIMATE OUTLOOK FOR OCTOBER – DECEMBER, 2021 (VULI) RAINY SEASON der TMA

So wertvoll diese Wettervorhersage für viele schon ist, gibt es noch Hürden und Herausforderungen. Für viel potenzielle Nutzer*innen wie Fischer, Viehzüchter*innen und Bäuer*innen ist die saisonale Wettervorhersage noch zu ungenau. Die Vorhersage kann noch nur für Distrikte gegeben werden aber noch nicht lokal präziser für bestimmte Städte und Dörfer. Zum Teil liegt das daran das nicht genügend Wetterstationen vorhanden sind, die wichtige Informationen für präzisere Vorhersagen in die Modelle einspeisen könnten. Das kann bei Nutzer*innen zu Frustration und den Verlust von Vertrauen führen, wenn für sie vor Ort das Wetter anders ausfällt als vorhergesagt. Um sich in der Planung wirklich darauf verlassen zu können braucht es lokalere Angebote (Downscaling of Climate Services).Mit dem National Framework For Climate Services (NFCS) wurde in Tansania der Grundstein dafür gelegt, das nützliche, hochwertige und lokal-präzise Wettervorhersagen angeboten werden. Eines der Kernziele des Frameworks ist das Downscaling. Daher wurde es auch in der National Climate Change Response Strategy(2021) verankert.

At least 70% of conventional climate services and weather forecasts disseminated are downscaled to at least at district level by 2026

National Climate Change Response Strategy (2021)

Während sich viele Bäuer*innen noch nicht auf die Wettervorhersagen verlassen, vertrauen viel stattdessen auf Wettervorhersagen, die auf indigen Wissen beruhen( indigenous knowledge/ indigenous forecast).

Was der Bauer schon kennt

– Was hat die Klimakrise mit Bauernregeln zu tun ?-

Durch Naturbeobachtungen ist in vielen Gemeinschaften über Jahrhunderte ein tiefes Wissen entstanden daraus lokale Vorhersagen für das Wetter zu machen. Dabei wird genau beobachte, wie sich wichtige Indikatoren ändern. Etwa wann die Mangos blühen. Stark blühende Mango-Bäume im August sagen eine trockene Regensaison mit wenig Regen voraus. Im Prinzip ist indigenes Wissen über Wettervorhersagen vergleichbar mit Bauernregeln wie  „Morgenrot, schlecht Wetter droht – Abendrot, Gutwetterbot“ Oft sind die Bauernregeln gereimt. Sie wurden meistens nicht auf geschrieben sondern wurden mündlich weitergegeben. Auch indigenes Wissen wird meistens nur mündlich weitergegeben. Viele der Bauernregeln auf sehr regional spezifische Beobachtungen und Kontexte. In Deutschland ist leider mit der Zeit die Überlieferung der Bauernregeln von Generation zu Generation verloren gegangen und so können die meisten in Deutschland kaum anhand von Naturbeobachtungen eine Wettervorhersage geben. Aber vielleicht lohnt es sich einmal für euch, euch mit euren älteren Mitmenschen und Großeltern zu unterhalten, was die dazu noch erzählen können.

In vielen Regionen wird das indigene Wissen zu Wettervorhersage noch genutzt und gepflegt. Darin liegt ein großer Schatz, der helfen kann lokal präzisere Wettervorhersagen zu treffen (indigenous weatherforecasts), die dazu beitragen können wichtige Entscheidungen in der Landwirtschaft zu treffen. Eine große Chance liegt darin das indigene Wissen und das Wissen der Meterologie zu kombinieren und einen intergierte Wettervorhersage (integrated forecast) zu erstellen und weiterzugeben. Das kann ein Lösung sein, um lokaler Wettervorhersage zu machen und  ein Downscaling zuerreichen.

Dabei sind Wettervorhersagen nur eines von vielen Beispielen wie indigenes Wissen wertvoll sein kann, um wichtige Anpassungen an die Klimakrise zu schaffen und nachhaltigeres Wirtschaften zu ermöglichen. Viele internationale Verträge wie das Pariser Klimaabkomen und das Biodiversität-Abkommen (CBD) erkennen auch die Wichtigkeit indigen Wissens an.

„Parties acknowledge that adaptation action should follow a country-driven, genderresponsive, participatory and fully transparent approach, taking into consideration vulnerable groups, communities and ecosystems, and should be based on and guided by the best available science and, as appropriate, traditional knowledge, knowledge of indigenous peoples and local knowledge systems, with a view to integrating adaptation into relevant socioeconomic and environmental policies and actions, where appropriate.“

Art. 7.5 of the Paris Agreement

Die UNESCO fordert daher, dass wir indigenes Wissen schützen und bewahren um zusammen mit Wissen aus den akademischen Wissenschaft in Kombination das best-mögliche uns zu gängliche Wissen nutzen (best available knowledge).

Wie das gelingen kann, daran arbeiten wir auch in einen Projekt beim CAN TZ.

Davon werde ich euch sicher noch viele mehr nach und nach erzählen.

Mango-Snack zum Abendessen

Darüber denke ich gerade nach wenn ich mir abends noch auf den Heimweg eine Mango frisch von einem Marktstand gekauft habe.

Wie bekommen wir das best-mögliche Wissen fruchtbar für Alle.

P.S: In Dar-Es-Salaam und im Norden von Tansania gibt es zwei Regenzeiten im Jahr. Eine Zeit mit regelmäßigen (alle 2-3 Tage), intensiven (manchmal den halben Tag lang) –  der Zeit der langen Regen (In Kiswaili: Masika von März bis Mai). Und von Oktober bis Dezember, die Zeit der kurzen Regen (In Kiswahili: Vuli) , das heißt ein bis zweimal in der Woche kürzere Regen (2-3 h). Mehr dazu hier im Climate Statement der TMA ab S.28.

Quelle: climate-data.org

2 Kommentare zu „Mango-Zeit

  1. Ich finde den Hinweis auf das Wissen „der Alten“ und unsere Bauernregeln sehr interessant. Spannend, wenn ihr in Tansania versucht, das indigene Umweltwissen und metereologische Wettervorhersagen zusammen zu bringen.
    Viel Erfolg dabei und Danke für den tollen Blog!

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